Zwischen digitalem Messmittel und auswertbarer Kennzahl liegen in vielen Betrieben noch handschriftliche Prüfprotokolle und Zettelwirtschaft. Software zur Messdatenerfassung schafft hier Abhilfe – vom einfachen Tabellenblatt bis zur integrierten Plattform. Dieser Beitrag vergleicht die fünf gängigsten Lösungen – Excel, Eigenentwicklung, klassische CAQ-Systeme, ERP wie z.B. SAP QM und integrierte Plattformen wie smartPLAZA – direkt und zeigt anhand konkreter Kriterien, wann sich welcher Weg lohnt. Einen Überblick über die Grundlagen der Messkette liefert unser Beitrag zur Messdatenerfassung.
Die folgende Aufzählung fasst zusammen, welche Kernfunktionen eine Messdatenerfassungssoftware mitbringen sollte, um Prüfprozesse durchgängig, normkonform und manipulationssicher abzubilden.
Welche Anforderungen eine Messdatenerfassungslösung erfüllen muss, hängt stark von der Branche ab. Je strenger die Normanforderung, desto wichtiger werden Kriterien wie Manipulationssicherheit, Audit-Trail und Kalibrierdatenanbindung bei der Softwareauswahl.
| Lösung | Beschreibung | Stärken | Schwächen | Geeignet für | Kosten |
|---|---|---|---|---|---|
| Excel | Abbildung in Excel Mappen. | Sofort verfügbar, flexibel, günstig | Keine Rechte-/Versionsverwaltung, keine Manipulationssicherheit | Einzelprüfungen, Prototyping | € |
| Eigenentwicklung | Maximale Flexibilität durch individuelle Programmierung (z. B. mit Node-RED, Python-Skripten oder einer selbst gebauten Datenbank) | Passgenau, keine Lizenzkosten | Hoher Entwicklungs-/Wartungsaufwand, benötigt eigenes IT-Team | Sehr spezifische Anforderungen mit eigenem Entwicklungsteam | €€ (versteckte Folgekosten) |
| Klassische CAQ-Systeme | Umfassende Qualitätsmanagement-Suiten mit dediziertem Prüfmittel-/Messdatenmodul (z. B. Babtec, CAQ.Net) | Breite Modultiefe, hohe Normkonformität | Messdatenerfassung nur ein Modul unter vielen, hoher Implementierungsaufwand | Integration weiterer Prozesse wie FMEA, 8D-Reporting, Reklamationsmanagement | €€€ |
| ERP (z.B. SAP QM) | Prüfpläne und Prüfaufträge lassen sich direkt im ERP verwalten, eine native Anbindung zur Messdatenerfassung fehlt jedoch – dafür sind externe Schnittstellen wie SAP QM IDI nötig. | Zentrale Datenhaltung im ERP | Keine native Erfassungsanbindung, Schnittstelle nötig | Unternehmen mit ERP-zentrierter Prozessführung | Lizenz oft schon vorhanden, Zusatzmodul notwendig |
| smartPLAZA | Verbindet Prüfplanung, Messmittelanbindung, Datenerfassung und Analyse in einer Plattform, mit direkter Anbindung an ERP-Systeme. | Prüfplanung, Erfassung, Analyse und ERP-Integration in einer Plattform, No-Code, Standardschnittstellen zu Messmitteln | Keine Integration von QM-Prozessen wie Reklamationsmanagement oder 8D-Reporting | Mittelstand mit Fokus auf schnelle, durchgängige Messdatenerfassung | € |
Hinweis: Die Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Herstellerinformationen (Stand Juli 2026). Für eine verbindliche Bewertung empfiehlt sich ein individuelles Angebot der jeweiligen Anbieter.
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1. Team einbinden und Anforderungen definieren | Binden Sie Qualitätssicherung und Produktion von Anfang an ein, damit die Lösung im Alltag akzeptiert wird. Klären Sie, welche Prüfmittel und Prüfpläne Sie bereits nutzen, welche Normen gelten und ob eine Anbindung an Ihre ERP-Landschaft nötig ist. |
| 2. Vorauswahl treffen | Stellen Sie auf Basis der geklärten Anforderungen eine Shortlist mit 2–3 Lösungen zusammen. Berücksichtigen Sie dabei sowohl Ihre vorhandenen IT-Ressourcen als auch die für Ihre Branche relevanten Normanforderungen, damit Sie später nicht nachrüsten müssen. |
| 3. Proof of Concept durchführen | Testen Sie die engere Auswahl mit echten Prüfmitteln und Prüfplänen aus Ihrem Betrieb: Wie gut können Sie einen Prüfplan anlegen? Wie einfach lässt sich ein Messmittel anbinden? Starten Sie idealerweise als Pilotprojekt an einem Prozessschritt und definieren sich ein klares Zeitziel. |
| 4. Total Cost of Ownership (TCO) über 5 Jahre betrachten | Betrachten Sie über fünf Jahre nicht nur den Einstiegspreis, sondern auch Lizenz- oder Entwicklungskosten, Implementierung, Schulung und Administration. Gerade bei Eigenentwicklung wird der Wartungsaufwand oft unterschätzt, bei Cloud-Lösungen kommen laufende Servicekosten hinzu. Mit den Erkenntnissen aus dem Proof of Concept kann nun ein Business Case berechnet werden. |
| 5. Go-Live | Ein Go-Live muss gut geplant werden. Als erster Schritt sollte die Grundarchitektur (z.B. woher kommen Auftragsinformationen) definiert werden. Dann sollte ein möglichst automatischer Import von Prüfplänen stattfinden, um das manuelle Anlegen zu reduzieren. Nach erfolgreichem Testing aller Kernfunktionalitäten kann es dann an den Go-Live gehen. |
| 6. Roll Out | Nach erfolgreichem Go-Live an der Pilotlinie weiten Sie die Lösung schrittweise auf weitere Linien, Prüfmittel und Standorte aus, statt alles gleichzeitig umzustellen. Nutzen Sie die Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb, um Prüfpläne und Abläufe vor der nächsten Ausweitung nachzuschärfen. Definieren Sie außerdem klare Verantwortlichkeiten für den laufenden Betrieb. Wer ist für die Pflege der Pläne, wer für Support bei technischen Fragen zuständig? |
Für den Business Case lohnt es sich, zunächst den Ist-Zustand zu quantifizieren: Wie viel Zeit kostet die manuelle Datenübertragung, wie hoch sind Fehlerquote und Nacharbeit, welche Kosten entstehen durch verspätete Freigaben oder Audit-Vorbereitung? Diesem Aufwand stellen Sie den erwarteten Nutzen gegenüber – etwa Zeitersparnis, weniger Fehlerkosten und ein geringeres Risiko von Normabweichungen – sowie die Investitions- und Folgekosten aus der TCO-Betrachtung. Aus beidem lässt sich eine Amortisationszeit ableiten, die bei Entscheidern oft überzeugender wirkt als reine Funktionsargumente. Ergänzend sollten Sie das Risiko einer Nicht-Investition benennen, etwa Auditrisiken oder Skalierungsgrenzen bei wachsendem Prüfvolumen, und die Zahlen aus dem Pilotprojekt als belastbare Grundlage nutzen statt reiner Schätzungen.
Es gibt keinen pauschal „besten" Weg zur Messdatenerfassung, nur den passenden für die eigene Prozesslandschaft. Excel eignet sich für den Einstieg, Eigenentwicklung nur mit eigenem IT-Team, klassische CAQ-Systeme für umfassende QM-Anforderungen und ERP für stark ERP-zentrierte Prozesse. Für mittelständische Fertiger, die Messdatenerfassung direkt an der Linie brauchen – schnell, ohne Programmierung und mit sofortiger Auswertung – bietet smartPLAZA einen fokussierten Einstieg mit direkter ERP-Anbindung.
Tipp: Starten Sie mit einem Pilotprojekt an einer Prüfmittelbox oder Linie, statt gleich die gesamte Messdatenerfassung umzustellen. So minimieren Sie Risiken und können die Messdatenerfassungssoftware in der Praxis testen.
Über den Autor: Maximilian Backenstos ist Geschäftsführer bei DatenBerg. Er begleitet Kunden von der Datenerfassung bis hin zur automatisierten Auswertung.
Weitere Ressourcen:
Für Einzelprüfungen, Prototyping oder sehr kleine Stückzahlen ja. Im Serienbetrieb fehlen jedoch Nutzerberechtigungen, Versionierung und Manipulationssicherheit. In diesem Fall lohnt sich der Umstieg auf eine dedizierte Lösung.
Nur, wenn Ihnen ein eigenes Entwicklungsteam dauerhaft zur Verfügung steht und der Anwendungsfall nicht bereits durch Standardsoftware abgedeckt wird. Der Wartungsaufwand für Versionsverwaltung, Tests und eine eigene Datenbank wird häufig unterschätzt.
Nein. Weder R/3 noch S/4HANA bringen eine native Anbindungsmöglichkeit zur Messdatenerfassung mit. Prüfpläne und Prüfaufträge lassen sich in SAP QM verwalten, für die eigentliche Erfassung ist eine Schnittstelle wie SAP QM IDI zu einem externen System nötig.
In der smartPLAZA greifen Prüfplanung, Messmittelanbindung, Datenerfassung und Analyse als eng verzahnte Elemente auf ein gemeinsames Datenmodell zu, statt als separate Systeme erst nachträglich integriert werden zu müssen. Prüfpläne können per No-Code-Oberfläche mit Prüfmitteln verknüpft werden, etwa über eine Messmittelbox. Die Messdaten werden in der smartPLAZA manipulationssicher gespeichert und direkt ausgewertet.
Ja. Über die SAP QM IDI-Schnittstelle schreibt smartPLAZA Prüfdaten direkt in ein bestehendes SAP-System zurück und lässt sich so als Erfassungslösung neben einem vorhandenen ERP einsetzen.
Nein. Prüfstands- und DAQ-Software wie IPEmotion oder DASYLab erfasst physikalische Messsignale in der Fahrzeug- und Komponentenentwicklung. Dieser Beitrag behandelt Software zur Erfassung von Prüf- und Messwerten im Qualitätsmanagement der Serienproduktion – ein anderes Anwendungsfeld mit anderen Anbietern.