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Prozessfähigkeitsindex

Lesedauer: 5min Veröffentlicht am: 21. März 2023. Zuletzt überarbeitet am: 30. September 2026 Der Autor des Beitrages ist Maximilian Backenstos.
Der Prozessfähigkeitsindex (Cp bzw. Cpk) ist eine statistische Kennzahl, die angibt, wie zuverlässig ein Produktionsprozess innerhalb vorgegebener Spezifikationsgrenzen fertigt. Während der Cp-Wert das theoretische Potenzial eines Prozesses beschreibt, berücksichtigt der Cpk-Wert zusätzlich, wie mittig der Prozess innerhalb der Toleranz liegt. Bei einem beherrschten Prozess gilt ein Cpk-Wert ab 1,33 in der Regel als ausreichende Prozessfähigkeit. Der verbindliche Grenzwert wird meist vom Kunden vorgegeben.
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Definition von beherrschten Prozessen

Fähigkeitsindizes zeigen, inwieweit ein Prozess die vorgegebenen Anforderungen erfüllt, wobei diese Beurteilung ausschließlich bei stabilen Prozessen aussagekräftig ist. Die Stabilität eines Prozesses bestimmt, ob dieser als beherrscht oder unbeherrscht eingestuft wird. Ohne Prozessstabilität verliert die Analyse von Fähigkeitsindizes ihre Aussagekraft. Nach ISO 22514 gelten Prozesse als beherrscht, wenn die Merkmalswerte entweder stabil bleiben oder sich lediglich in bekannter Weise und innerhalb definierter Grenzen verändern. Zufallsstichproben, die aus einem beherrschten Prozess entnommen werden, weisen dasselbe Verhalten auf, als stammten sie aus derselben Grundgesamtheit.

Normalverteilte Prozesse und Prozessfähigkeit

Bei der Berechnung der Prozessfähigkeit wird häufig von normalverteilten Prozessdaten ausgegangen. Daher ein kleiner Exkurs in die Statistik: Bei kontinuierlichen Prozessen können die Merkmalswerte beliebige Werte annehmen. Ein Beispiel ist die Temperatur in einer Maschine. Die Normalverteilung bestimmt sich aus zwei Kenngrößen: dem arithmetischen Mittelwert und der Standardabweichung. Beide Kenngrößen werden aus einer Stichprobe geschätzt.

In diesem Beitrag werden die in der folgenden Abbildung dargestellten Begriffe verwendet. In einzelnen Normen oder Spezifikationen können die Bezeichnungen der einzelnen Parameter abweichen.

Normalverteilung eines Prozessmerkmals zwischen unterer und oberer Spezifikationsgrenze (USG, OSG) mit Mittelwert μ und Prozessstreubreite 6σ

Ist ein Merkmal normalverteilt, kann die Standardabweichung verwendet werden, um abzuschätzen, wie viele Teile innerhalb/außerhalb der spezifizierten Toleranzen liegen. ppm ist die Anzahl der Teile pro Million.

Standardabweichung (Sigma, σ)Anteil innerhalb der ToleranzAnteil außerhalb der Toleranz
±1σ68,27 %31,73 %
±2σ95,45 %4,55 %
±3σ99,73 %0,27 %
±4σ999 936,66 ppm63,34 ppm
±5σ999 999,43 ppm0,57 ppm
±6σ999 999,998 ppm0,002 ppm
Auswirkungen verschiedener Standardabweichungen

Prozessfähigkeitsindex Cp

Der Prozessfähigkeitsindex (engl. process capability index) gibt die Fähigkeit eines Prozesses an. Er beschreibt, inwieweit ein Prozess geeignet ist, ein Produkt herzustellen, das den Produktanforderungen entspricht. Umgangssprachlich kann man sagen, dass die Prozessfähigkeit angibt, „wie gut der Prozess in die Toleranz passt“. Der Prozessfähigkeitsindex wird auch als „potenzieller Prozessfähigkeitsindex“ bezeichnet. Für die Berechnung des Prozessfähigkeitsindex sind zwei Spezifikationsgrenzen erforderlich, eine untere und eine obere.

Für die Berechnung von Cp verwendet die ISO 22514 die Schreibweise des 99,865-%-Quantils X99,865 % und des 0,135-%-Quantils X0,135 %. Bei einem normalverteilten Messmerkmal kann dies als sechsfache Standardabweichung 6σ, oder 6s, angegeben werden, wenn σ aus einer Stichprobe geschätzt wird.

C_p = \dfrac{\mathrm{OSG} - \mathrm{USG}}{6\sigma}

Kritische Prozessfähigkeit Cpk

Der kleinste Prozessfähigkeitsindex (engl. minimum process capability index) wird auch als kritischer Prozessfähigkeitsindex bezeichnet. Er gibt das Verhältnis von Toleranz zu Prozessstreuung unter Berücksichtigung der Prozesssituation an. Dieser Index beschreibt die Prozessfähigkeit in Bezug auf die gegebenen Spezifikationsgrenzen.

Die kritische Prozessfähigkeit wird wie folgt berechnet:

C_{pk} = \min\left(C_{pku},\, C_{pkl}\right)
C_{pku} = \dfrac{\mathrm{OSG} - \bar{x}}{3\sigma}
C_{pkl} = \dfrac{\bar{x} - \mathrm{USG}}{3\sigma}

Phasen der Prozessqualifikation

Bei der Bewertung der Fähigkeitsindizes können drei Phasen unterschieden werden. Vor Beginn der Serienfertigung ist die Kurzzeitfähigkeit Gegenstand der Prüfung. Hier stehen maschinenbedingte Einflüsse im Vordergrund. Dies kann z. B. bei der Maschinenabnahme erfolgen. Die Voruntersuchung zur Prozessfähigkeit ist eine Untersuchung aller für die Produktion relevanten Einflussgrößen. Die Langzeit-Prozessfähigkeitsuntersuchung ist eine Untersuchung der Einflüsse in der Produktion über einen längeren Zeitraum.

Kurzzeitfähigkeits-untersuchungVorläufige Prozessfähigkeits-untersuchungLangzeitprozess-fähigkeitsuntersuchung
Wann?Vor SerienstartVor SerienstartAnalyse in der Serienproduktion
FähigkeitsindexCmPpCp
Kritischer FähigkeitsindexCmkPpkCpk
Phasen der Prozessfähigkeitsuntersuchung

Beispiel zur Berechnung der kritischen Prozessfähigkeit

  1. Auswahl des Werteverlaufs
    Im ersten Schritt wählen Sie das Messmerkmal aus. In unserem Beispiel ist das Merkmal „Max“. Dann selektieren Sie den zu analysierenden Auftrag. Die Schritte werden im Smart Analyzer der smartPLAZA ausgeführt.
  2. Normalverteilungsprüfung
    Nun gilt es zu prüfen, ob das Messmerkmal normalverteilt ist. In der smartPLAZA wird der Test automatisiert durchgeführt. In der Spalte „Normalverteilt“ ist das Ergebnis dargestellt. Wird die Normalverteilungsannahme nicht verworfen, kann fortgefahren werden.
  3. Berechnung der Prozessfähigkeit
    Nach der Normalverteilungsprüfung wird nun der Cpk-Wert berechnet. Dazu sind die oben beschriebenen Formeln zu verwenden. Die Berechnung der Werte erfolgt automatisch in der smartPLAZA.
  4. Prozessbewertung
    Diese Werte können nun mit den Kundenanforderungen verglichen werden, um den Prozess zu bewerten. Liegt der Cpk-Wert mindestens auf Höhe der Kundenanforderung, gilt der Prozess als fähig.

In der smartPLAZA lässt sich der Cpk-Wert auch in einem Dashboard darstellen, sodass die Prozessfähigkeit mehrerer Merkmale oder Aufträge auf einen Blick überwacht werden kann.

smartPLAZA-Dashboard „Cpk-Wert Labor“ mit Werteverlauf eines Messmerkmals, Spezifikationsgrenzen, Cpk-Wert 2,21 aus 27 Werten und Auftragsauswahl
Cpk-Wert-Berechnung im smartPLAZA-Dashboard

FAQ

Wann ist ein Prozess beherrscht?

Ein Produktionsprozess ist beherrscht, wenn sich die Verteilung der Merkmalswerte praktisch nicht oder nur in bekannter Weise bzw. innerhalb bekannter Grenzen ändert.

Wie prüfe ich Messwerte auf eine Normalverteilung?

Statistische Tests liefern eine analytische Aussage darüber, ob die Annahme einer Normalverteilung haltbar ist. Maßgeblich ist der p-Wert des Tests. Liegt er über einem vorher festgelegten Signifikanzniveau (oft 0,05), wird die Normalverteilungsannahme nicht verworfen. Gängige Tests sind der Anderson-Darling-Test und der Shapiro-Wilk-Test, Hinweise gibt die ISO 5479. Ergänzend hilft ein Histogramm oder Wahrscheinlichkeitsnetz zur visuellen Einschätzung. In smartPLAZA wird die Prüfung auf Normalverteilung automatisch durchgeführt.

Wie berechne ich eine kritische Prozessfähigkeit, wenn die Toleranzmitte nicht dem Soll-Wert entspricht?

Hier empfiehlt die DIN ISO 22514, den oberen und den unteren Prozessfähigkeitsindex getrennt zu berechnen und anzugeben, nicht nur den kleineren Wert. Für beide Werte können unterschiedliche Anforderungen gelten. Soll zusätzlich die Abweichung vom Sollwert bewertet werden, eignet sich der Index Cpm.

Wie berechne ich einen Prozessfähigkeitsindex bei einseitig tolerierten Merkmalen?

Liegt nur eine obere oder nur eine untere Spezifikationsgrenze vor, lässt sich kein Cp berechnen. Es wird nur der Index zur vorhandenen Grenze bestimmt, also Cpku oder Cpkl. Dieser Wert wird direkt als kritischer Prozessfähigkeitsindex angegeben, eine Minimumbildung entfällt.

Wie interpretiere ich den Prozessfähigkeitsindex und den kritischen Prozessfähigkeitsindex?

Cp und Cpk sollten immer zusammen betrachtet werden. Ist der Cp-Wert deutlich größer als der Cpk-Wert, liegt der Prozess nicht mittig in der Toleranz. Eine Zentrierung würde die Fähigkeit dann ohne Verringerung der Streuung verbessern. Ein Cpk-Wert ab 1,33 gilt im Allgemeinen als ausreichend fähig. Verbindliche Grenzwerte werden mit dem Kunden abgestimmt.

Referenzen

DIN ISO 22514-1:2016-08: Statistische Methoden im Prozessmanagement, Fähigkeit und Leistung, Teil 1: Allgemeine Grundsätze und Begriffe (ISO 22514-1:2014). DIN Media. Zur Norm

Automotive Industry Action Group (AIAG): Statistical Process Control (SPC), Reference Manual, 2. Auflage. Zum Handbuch

NIST/SEMATECH: e-Handbook of Statistical Methods, Abschnitt 6.1.6 „What is Process Capability?“. Zum Handbuch

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Der Autor Maximilian ist Geschäftsführer bei DatenBerg. Er begleitet Kunden von der Datenerfassung bis hin zur automatisierten Auswertung. Ist er nicht bei Kunden im Einsatz, hält er Vorträge zu den Themen Daten nutzen in der Produktion, Anwendungsfälle von Industrie 4.0 und automatisierte Auswertung von Produktionsdaten. Gerne besprechen wir mit Ihnen, wie das Thema Prozessfähigkeitsindex in Ihrer Produktion umgesetzt werden kann. Kontaktieren Sie uns hier.

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