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KI in der Qualitätssicherung

Lesedauer: 5min Veröffentlicht am: März 27, 2023. Zuletzt überarbeitet am: August 18, 2026 Der Autor des Beitrages ist Maximilian Backenstos.
Künstliche Intelligenz automatisiert repetitive Prüfaufgaben in der Qualitätssicherung wie Bildauswertung, Prozessüberwachung und dynamische Messreduktion. Dadurch sinkt der manuelle Prüfaufwand, gleichzeitig werden Fehler und Prozessabweichungen früher erkannt. Die Qualitätssicherung gewinnt somit Kapazitäten für Fehleranalyse und kontinuierliche Verbesserung.
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Was ist KI in der Qualitätssicherung?

KI in der Qualitätssicherung bezeichnet den Einsatz von Algorithmen, die repetitive Prüf- und Überwachungsaufgaben eigenständig übernehmen. In der Praxis werden die Begriffe Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle und Prozesskontrolle häufig synonym verwendet, auch wenn sie nach DIN EN ISO 9000:2015 formal unterschiedliche Teile des Qualitätsmanagements bezeichnen. Ein Algorithmus wird dabei mit historischen Daten wie klassifizierten Bildern oder Prozessverläufen trainiert. Im laufenden Betrieb wendet der Algorithmus dann das Gelernte auf neue Daten an und meldet Abweichungen oder Auffälligkeiten.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Lernarten. Beim überwachten Lernen trainiert ein Mitarbeiter den Algorithmus anhand bereits klassifizierter Beispiele. Beim unüberwachten Lernen erkennt der Algorithmus ohne zuvor definierte Klassen eigenständig Muster und Abweichungen. Künstliche neuronale Netze (KNN) und Entscheidungsbäume sind gängige Verfahren für beide Lernarten. Verwandte Begriffe sind beispielsweise maschinelles Lernen und Deep Learning.

Aufgabenbereiche und Herausforderungen in der Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung (QS) ist branchenübergreifend für die Kontrolle ein- und ausgehender Waren, Produkte und Dienstleistungen zuständig. Dazu gehört auch die Überwachung maschineller Prozesse sowie die Fertigungsendkontrolle, etwa über Stichprobenprüfungen im Rahmen der statistischen Prozesskontrolle.

Viele dieser Aufgaben sind repetitiv und binden Kapazitäten, die für die kontinuierliche Verbesserung der Produktion fehlen. Genau hier setzt KI an: Sie übernimmt die wiederkehrenden Prüfschritte, sodass sich die QS auf Fehleranalyse und Optimierungsprojekte konzentrieren kann.

Anwendungsfelder von KI in der Qualitätssicherung

Alle folgenden Anwendungsfelder verfolgen dasselbe Ziel: wiederkehrende Prüfaufgaben zu automatisieren und der QS Zeit für kreative Verbesserungsarbeit zu verschaffen.

AnwendungsfeldTypische AufgabeNutzen
BilddatenauswertungOptische Prüfung von Bauteilen in Montage oder EndkontrolleAutomatische Klassifikation statt manueller Sichtprüfung
Dynamische MessreduktionPrüfumfang anhand des Anlagenverhaltens anpassenWeniger serienbegleitende Prüfungen bei gleichbleibender Qualität
Monitoring von ProzessparameternMaschinelle Prozesse automatisiert überwachenFrühzeitige Anomalieerkennung statt manueller Dauerbeobachtung
Reaktion auf MaterialschwankungenMaschinenparameter an Chargenschwankungen anpassenWeniger Ausschuss bei wechselnden Rohstoffchargen

Bilddatenauswertung

Typische Metriken sind die Vollständigkeit des Bauteils, die Kratzerfreiheit oder die Bewertung einer Form. KI kann hier bei der Bildauswertung helfen. Dabei klassifiziert ein QS-Mitarbeiter mehrere Bilder und teilt sie in verschiedene Klassen ein oder annotiert einzelne Fehlerbilder. Anschließend wird ein Algorithmus auf dieser Bildauswahl trainiert. Im Live-Betrieb erhält der Algorithmus ein neues Bild der Baugruppe und ordnet dieses selbstständig den gelernten Klassen zu.

Dynamische Messreduktion

Ein Algorithmus überwacht einzelne Prozessparameter und schätzt basierend auf diesen die zu erwartende Qualität ab. Wird der Prozesszustand als kritisch eingestuft oder tritt ein bisher unbekannter Zustand auf, empfiehlt die KI eine Messung. Mit Hilfe dieses Feedbackloops kann die KI über die Zeit mehr dazulernen. In unserem Anwendungsbeispiel zur dynamischen Messreduktion in der Gummiherstellung haben wir beschrieben, wie sich bis zu 70 % der serienbegleitenden Prüfungen einsparen lassen.

Monitoring von Prozessparametern

Ein Algorithmus lernt den typischen, als „normal" definierten Prozessverlauf und erkennt Abweichungen sowie Trends eigenständig. Bei einer Anomalie benachrichtigt er die QS, damit diese Korrekturmaßnahmen einleiten kann. So müssen Mitarbeitende nur noch tatsächliche Auffälligkeiten analysieren, statt Prozesse manuell dauerhaft zu beobachten. Mit KI Prognosen bietet smartPLAZA ein Modul, das genau diese Vorhersage von Prozess- und Qualitätsabweichungen abbildet. Mehr zu den Grundlagen liefert unser Beitrag zum automatisierten Prozessmonitoring.

Reaktion auf Materialschwankungen

Über einen gewissen Zeitraum werden Wareneingangsprüfungen mit Maschinenparametern verglichen und daraus Einstellregeln abgeleitet. Ein Algorithmus bildet dieses Wissen digital ab und informiert Mitarbeitende an der Anlage bei einer neuen Charge über die optimierten Einstellparameter. Das eignet sich besonders für rohstoffverarbeitende Industrien mit schwankender Chargenqualität und lässt sich ebenso für temperatursensitive Prozesse nutzen.

Vorteile von KI in der Qualitätssicherung

Eine Null-Fehler-Produktion ist häufig nur durch eine 100-Prozent-Prüfung aller hergestellten Produkte erreichbar. Klassische Stichprobenverfahren können das allein nicht leisten, KI-gestützte Bildauswertung dagegen prüft jedes Bauteil in Echtzeit und ohne Ermüdungseffekte. Wie präzise das funktionieren kann, zeigt ein Forschungsprojekt des Fraunhofer IPA: Ein mit Deep Learning trainiertes Modell erreichte bei der automatischen Bewertung von Laserschnittkanten Korrelationsraten von 75 % für die Rauheits- und 85 % für die Gratbewertung. Neben der Prüfabdeckung profitieren Unternehmen so von gleichbleibend objektiven Prüfstandards und einer früheren Erkennung von Fehlerketten, bevor sie sich auf nachgelagerte Prozessschritte auswirken.

FAQ KI in der Qualitätssicherung

Wie funktioniert automatisierte Qualitätskontrolle mit KI?

Ein Algorithmus wird zunächst mit klassifizierten Beispieldaten trainiert, etwa fehlerfreien und fehlerhaften Bauteilen. Im laufenden Betrieb wendet er das Gelernte auf neue Prüfobjekte oder Prozessdaten an und meldet Abweichungen automatisch.

Wie viel Prüfaufwand lässt sich durch KI einsparen?

Das hängt stark vom Anwendungsfall ab. In unserem Beispiel aus der Gummiherstellung lassen sich durch dynamische Messreduktion beispielsweise bis zu 70 % der serienbegleitenden Prüfungen einsparen.

Quellen

Weiterführend

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Der Autor Maximilian ist Geschäftsführer bei DatenBerg. Er begleitet Kunden von der Datenerfassung bis hin zur automatisierten Auswertung. Ist er nicht bei Kunden im Einsatz, hält er Vorträge zu den Themen Daten nutzen in der Produktion, Anwendungsfälle von Industrie 4.0 und automatisierte Auswertung von Produktionsdaten. Gerne besprechen wir mit Ihnen, wie das Thema KI in der Qualitätssicherung in Ihrer Produktion umgesetzt werden kann. Kontaktieren Sie uns hier.

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