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Betriebsdatenerfassung

Lesedauer: 5min Veröffentlicht am: Januar 17, 2025. Zuletzt überarbeitet am: August 20, 2026 Der Autor des Beitrages ist Maximilian Backenstos.
Die Betriebsdatenerfassung, kurz BDE, bezeichnet die systematische Erfassung von Zuständen, Vorgängen und Kennzahlen im Betriebsablauf. Erfasst werden dabei meist Daten zu Maschinen, Aufträgen, Personal und Material, wodurch nachvollziehbar wird, in welchem Zustand sich eine Anlage zu welchem Zeitpunkt befand. Ein technischer Teilbereich der BDE ist die Maschinendatenerfassung (MDE), die sich auf die Daten beschränkt, die direkt an der Maschine anfallen. Aus den erfassten Zeiträumen werden Kennzahlen abgeleitet, die die Anlagenleistung beschreiben.
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Definition einer Betriebsdatenerfassung

Mit Hilfe der Betriebsdatenerfassung lässt sich folgende Frage zusammenfassend beantworten: Was hat eine Maschine zu einem bestimmten Zeitpunkt gemacht? Man bildet Zustandsgruppen, um die Anlage zu beschreiben, und identifiziert dadurch Verbesserungspotenziale im Anlagenbetrieb. Aus den erfassten Zeiträumen leitet man Kennzahlen ab, die die Anlagenleistung beschreiben.

Beispielhafte Betriebsdatenmeldung an einer Signalleuchte: Zustand, Zeitraum und Grund

Typische Zustände in der Betriebsdatenerfassung

Jede Produktion ist anders, die Maschinenzustände können jedoch in ähnliche Gruppen eingeteilt werden:

ZustandBeschreibung
Effektive LaufzeitZeitraum, in dem die Maschine störungsfrei läuft und produziert.
StörzeitZeitraum, in dem die Maschine eine Störung aufweist. Diese kann maschinenbedingt oder maschinenunabhängig sein.
RüstzeitZeitraum, in dem die Maschine eingerichtet oder auf ein anderes Produkt umgestellt wird.
Wartungs- und Instandhaltungszeit Zeit, die benötigt wird, um die Maschine betriebsbereit zu halten.
PausenzeitZeit für bezahlte Pausen an der Maschine.

Die Zustände lassen sich abhängig von den Produktionsanforderungen erweitern oder verkürzen.

Arten einer Betriebsdatenerfassung

Manuelle Betriebsdatenerfassung

Ein Mitarbeiter dokumentiert die einzelnen Zustände einer Anlage manuell. Er definiert die Zustände vorab und wählt sie aus einer vorgegebenen Auswahl aus. Je nach Anlagenzustand kommentiert er relevante Beobachtungen. Trotz einiger Nachteile bietet die manuelle Erfassung auch Vorteile. Wenn der Mitarbeiter die Dokumentation vergisst oder Tippfehler macht, entstehen fehlerhafte Betriebsdaten. Zudem nimmt die Erfassung viel Zeit in Anspruch. Dennoch überzeugt die manuelle Erfassung durch ihre Einfachheit, da sie keine Schnittstellen zu Maschinen erfordert und sich schnell starten lässt.

ManuellManuell
VonBisZustandKommentar
12.01. 6:3012.01. 7:12AnlagenanlaufRüsten
12.01. 7:1212.01. 14:23Produktion 

Teilautomatisierte Betriebsdatenerfassung

Bei der teilautomatisierten Erfassung löst eine Maschinensteuerung oder ein Sensor die Erfassung aus. Auf diese Weise erfasst man Zustandsänderungen der Anlage und fordert den Mitarbeiter auf, eine Ursache zuzuordnen. Man kombiniert die Flexibilität der manuellen Erfassung mit dem Vorteil der automatisiert definierten Zeitbereiche eines Zustandes. Dadurch reduziert man Fehlermöglichkeiten, bleibt jedoch weiterhin auf Benutzereingaben angewiesen.

AutomatisiertManuell
VonBisZustandKommentar
12.01. 6:3012.01. 7:12AnlagenanlaufRüsten
12.01. 7:1212.01. 14:23Produktion 

Automatisierte Betriebsdatenerfassung

Die automatisierte Erfassung nutzt ausschließlich die von einer Steuerung bereitgestellten Daten, um die Zustände zu ermitteln. Die Herausforderung liegt in der Komplexität und Individualität der einzelnen Maschinen. Man wertet die Signale einer Maschine oft zusätzlich aus und verrechnet diese miteinander, um auf individuelle Zustände zu schließen. Dies ist zwar mit Aufwand verbunden, macht das System aber unabhängig von Benutzereingaben. Wenn die Maschine die Zustände bereits einzeln über einen Prozesswert bereitstellt, ist die Anbindung einfach zu realisieren. Nach unserer Erfahrung ist es allerdings oft notwendig, über eine selbstdefinierte Berechnung auf den Zustand zu schließen.

AutomatisiertManuell
VonBisZustandKommentar
12.01. 6:3012.01. 7:12AnlagenanlaufRüsten
12.01. 7:1212.01. 14:23Produktion 

Bewertung der Erfassungsmöglichkeiten

ErfassungsartVorteileNachteile
ManuellEinfach und schnell aufzusetzen, keine Schnittstellen erforderlich.Komplette Abhängigkeit  von Nutzereingaben.
TeilautomatisiertZeiten werden von der Schnittstelle automatisiert vorgegeben, reduzierte Abhängigkeit von Nutzereingaben.Schnittstelle notwendig.
AutomatisiertDaten werden automatisch und in Echtzeit erfasst.Aufwand bei der Einrichtung.

Endgeräte: App, Tablet oder Computer?

Wie erfasst man Betriebsdaten am besten? Das hängt natürlich von der individuellen Organisation in der Produktion ab. Steht ein Mitarbeiter fest an einem Arbeitsplatz an einer Maschine, bietet sich die Installation eines stationären Computers an. Erfolgt die Erfassung der Betriebszustände mobil, ist die Erfassung über ein Tablet im Webbrowser oder direkt über eine App auf dem Smartphone sinnvoll. Sowohl das Tablet als auch der Computer bieten oft genügend Platz, um auch sinnvolle Auswertungen direkt zu integrieren. Auf dem Smartphone reicht der Platz oft „nur“ für die Erfassung der Zustände.

Auswertungen einer BDE

Die Betriebsdatenerfassung ermöglicht die Generierung verschiedener Berichte und Auswertungen. Dazu zählen unter anderem:

  • OEE-Berichte: Berechnung von Kennzahlen zur Beurteilung der Anlagenleistung (mehr zur Kennzahl OEE in diesem Beitrag).
  • Störberichte: Übersicht über die häufigsten Störungsursachen in der Produktion.
  • Rüstzeitenanalyse: Auswertung, welche Rüständerungen effektiv waren und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Die zugrundeliegenden Daten können die Mitarbeiter auf dem Shopfloor auch direkt in einer Echtzeit-Visualisierung unterstützen.

Mögliche Berichtsideen für die Betriebsdatenerfassung: OEE-Berichte, Störberichte, Rüstzeitenanalyse, Soll-/Ist-Zeitenvergleich, Produktionsbericht und Anlagenvisualisierung

Vorteile einer Betriebsdatenerfassung

  • Objektive Datenbasis: Mit Hilfe einer BDE wird die subjektive Einschätzung der Leistung einzelner Maschinen durch Zahlen, Daten, Fakten ersetzt, auch wenn der Grad der subjektiven Einschätzung je nach Erfassungsart (manuell, teilautomatisiert, automatisiert) unterschiedlich stark ausgeprägt bleibt.
  • Prozessüberblick: Eine BDE schafft einen Überblick über die Produktionsprozesse, der je nach Ausbaustufe auch echtzeitnahe Einblicke ermöglicht.
  • Datenbasierte Entscheidungen: Mit der geschaffenen Datenbasis lassen sich Verbesserungsprojekte gezielt begründen und Optimierungen datenbasiert durchführen.

FAQ Betriebsdatenerfassung

Was ist eine Betriebsdatenerfassung?

Bei der Betriebsdatenerfassung werden Zustände, Vorgänge und Kennzahlen im Betriebsablauf erfasst und zentral gespeichert, meist bezogen auf Maschinen, Aufträge, Personal und Material. Daraus lassen sich Kennzahlen zur Anlagenleistung ableiten.

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsdatenerfassung und Maschinendatenerfassung?

Die Betriebsdatenerfassung (BDE) umfasst neben den Maschinendaten auch organisatorische Daten wie Auftrags- und Personalinformationen. Die Maschinendatenerfassung (MDE) ist der technische Teilbereich der BDE und konzentriert sich auf die Daten, die direkt an der Maschine anfallen.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Betriebsdatenerfassung?

Ein Vorteil einer Betriebsdatenerfassung ist eine objektive, echtzeitnahe Datenbasis statt subjektiver Einschätzungen. Nachteil ist der Einführungsaufwand, der bei manueller Erfassung gering ausfällt, bei automatisierter Erfassung hingegen höher liegt.

Muss eine Betriebsdatenerfassung mit dem Betriebsrat besprochen werden?

Wenn personenbezogene Daten erfasst werden, etwa welcher Mitarbeiter an einer Anlage angemeldet ist, sollte definitiv mit dem Betriebsrat gesprochen werden. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung der Mitarbeiter geeignet sind, wozu nach der Rechtsprechung auch EDV-Systeme zur Erfassung von Betriebs- und Personaldaten zählen können. Generell bietet es sich an, ein BDE-Projekt frühzeitig mit dem Betriebsrat abzuklären.

Welche Software eignet sich zur Betriebsdatenerfassung?

Geeignete Software deckt idealerweise sowohl manuelle als auch automatisierte Erfassungsarten in einem System ab. Die smartPLAZA von DatenBerg bietet dafür das Modul "Arbeits- und Prüfplan" zur webbasierten manuellen Erfassung sowie ein Data Warehouse, das die Daten automatisiert zusammenführt und für Auswertungen bereitstellt.

Literatur

Weiterführend

Sie möchten mehr zum Thema Betriebsdatenerfassung erfahren?
Der Autor Maximilian ist Geschäftsführer bei DatenBerg. Er begleitet Kunden von der Datenerfassung bis hin zur automatisierten Auswertung. Ist er nicht bei Kunden im Einsatz, hält er Vorträge zu den Themen Daten nutzen in der Produktion, Anwendungsfälle von Industrie 4.0 und automatisierte Auswertung von Produktionsdaten. Gerne besprechen wir mit Ihnen, wie das Thema Betriebsdatenerfassung in Ihrer Produktion umgesetzt werden kann. Kontaktieren Sie uns hier.

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